Warum heulen Wölfe?

Es weckt Angst, fast schon Ehrfurcht, aber auch eine gewisse Neugier auf die uns verborgenen Bedeutungen: Die Rede ist vom Heulen, dem typischen Ruf des Wolfes, welcher gelegentlich auch von seinen “domestizierten Cousins” – den Hunden – verwendet wird. Durch   Dokumentarfilme und Filme über Werwölfe haben wir diesen einzigartigen Ruf zu schätzen gelernt, obwohl dessen Ursachen und Bedeutungen für uns meist noch unerklärlich bleiben.

Das Heulen der Wölfe in der Struktur des Rudels

Es ist nicht überraschend, dass der Wolf das Heulen als “sozialen Ruf”benutzt. Damit teilt das Tier seinen Kameraden den eigenen Standort mit, wahrscheinlich um im Gegenzug die gleiche Information über die anderen zu erhalten. Dieser klangvolle Anhaltspunkt hat noch eine andere Funktion, die von entscheidender Bedeutung für die Jagd ist: Sie warnt Rudel, die sich in der Nähe aufhalten, dass die Umgebung bereits von einer anderen Gruppe besetzt ist. Daher ist es ein strategischer Ruf, der gleichzeitig dazu dient, die strenge Hierarchie eines Rudels zu betonen. Dies wird durch die einzigartige Harmonie unterstützt, die erklingt, wenn die einzelnen Mitglieder ihre Töne anstimmen, die sich für unsere Ohren zusammen wie „Mini-Konzerte“ anhören: Das Leitpaar – die Alpha-Wölfe – beginnt mit dem ersten Heulen eines tiefen Tons, währenddessen die anderen verpflichtet sind, achtsam zu sein. Es folgt das Heulen des Beta-Wolfes, der eine höhere Tonlage übernimmt, die länger gehalten wird, und schließlich reproduzieren die Wölfe niedrigeren Ranges verschiedenartige Laute, unter anderem ein Bellen, das dazu dient, den Eindruck einer größeren Gruppe zu erwecken, als sie es in Wirklichkeit ist. Auf dem niedrigsten Stand der Bedeutung und Achtung innerhalb eines Rudels, hat der arme Omega-Wolf jedoch das höchste und angenehmste Heulen, das in Konfliktsituationen unter anderem dazu dient Ruhe wiederherzustellen.

Das Heulen der Hunde: Zwischen Unbehagen und amüsierter Beteiligung

Als unterschiedliche Sprache gilt jedoch das Heulen des Hundes: eine Manifestation, die seltener auftritt und vor allem mit anderen Faktoren verbunden ist. Neben der bekannten Vertrautheit der Schlittenhunde mit diesem Ruf, kann der Hund heulen, um einen „sozialen Ruf“ zu tätigen, oder um einen unangenehmen Zustand zu zeigen. Das erklärt dann die spezielle Stimmgebung, wenn der Hund allein bleibt: Die Traurigkeit dieses Umstands verursacht im Tier die Sehnsucht nach seinem Rudel, welche sich in diesem Fall auf seine menschlichen Besitzer bezieht. Keine Angst vor dem Heulen unserer Vierbeiner, das als Reaktion auf bestimmte Geräusche wie Sirenen oder Glocken erklingt: Es bedeutet nicht Unbehagen, sondern ist lediglich der Wunsch, sich an einem Klang zu beteiligen – oft mit urkomischen Ergebnissen.