Fido frißt nur Trockenfutter, ist das in Ordnung?

Eine der häufigsten Fragen, die mir gestellt werden, bezieht sich auf die Art des Futters für den Hund: Ausschließlich Trockenfutter? Oder lieber Nassnahrung?

Um diese Frage zu beantworten, sollten wir versuchen zu  verstehen, welcher Aspekt des Futters für unseren Hund von Interesse ist: Schaut er das Futter an, wie wir es häufig tun? Genießt er den Geschmack? Bemerkt er den Geruch?

Wenn wir uns einmal in unseren Hund hinein versetzten, können wir den visuellen Aspekt vernachlässigen: Ein Hund interessiert sich sicherlich nicht dafür, ob sein Futter eine ansprechende Optik hat. Eher sollten wir hier als wichtigstes Kriterium eine gute Rezeptur und Zusammensetzung des Futters  bedenken.

Bleiben noch Geschmack und Geruch. Lasst uns nun die Unterschiede herausfinden und sehen, welcher Sinn bei der Wahl des Futters überwiegt.

Geschmackswahrnehmung

Zahl der Geschmacksnerven

– Mensch: 9.000
– Hund: 1.700
– Katze: 470

Geruchswahrnehmung

Riechschleimhaut in cm²

– Mensch 3-4 cm²
– Hund 18-150 cm² (Zunahme im Verhältnis zur Nasenform des Hundes)
– Katze 20 cm²

Der Hund wählt sein Futter hauptsächlich mit der Nase, also durch den Geruch des Futters, aus. Erst danach probiert er es.

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Aber damit nicht genug: Wir sollten auch den verhaltensbezogenen Aspekt der die Ernährungsgwohnheiten beeinflusst untersuchen. Hunde sind im Rudel lebende, soziale Tiere. Die Mahlzeit spielt im Zusammenleben mit anderen Hunden und, in unserem Fall, im Zusammenleben mit dem Menschen eine entscheidende Rolle. Belohnung durch Futter ist eine Methode, die häufig angewendet wird, um angemessenes Verhalten zu fördern und damit das Verhältnis zwischen unserem Hund und uns zu stärken. Dem Hund eine Mahlzeit zur Belohnung zu geben ist nicht nur eine Geste der Zuneigung, sondern auch ein Verhalten, das für das Zusammenleben mit unserem Freund eine solide Grundlage legt.

Wenn wir die Wahl zwischen Trocken- und/oder Nassnahrung aus rein ernährungsspezifischen Notwendigkeiten  bewerten möchten, können wir zweifelsohne sagen, dass ein Trockenfutter von hoher Qualität alle Bedürfnisse eines Hundes vollkommen befriedigt. Im Gegensatz zur Katze hat der Hund kein Problem mit dem Trinken: Wird er ausschließlich mit Kroketten gefüttert, trinkt er automatisch mehr und sorgt so für seine optimale Flüssigkeitsversorgung!

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Auf der anderen Seite würden wir viel von der hier beschriebenen Belohnung durch Futter einbüßen, da eine Krokette niemals so angenehm duftet wie  Nassnahrung. Auch würden wir einige natürliche, ernährungsspezifische Vorzüge des Nassfutters verlieren (Vitamine und Mineralien). Nassnahrung wird wesentlich weniger bearbeitet und behält daher viele der natürlich darin vorhandenen Nährstoffe in wenig veränderter Form.

Wir könnten ausschließlich Nassnahrung füttern, aber das würde die Kautätigkeit nicht anregenUnser Hund würde die Mahlzeit noch schneller zu sich nehmen und das Kauen vermeiden, welches der erste Schritt der Verdauung ist. Zusätzlich würde das weiche Futter keine Massage des Zahnfleischs bewirken, die zum Beispiel beim Zahnwechsels wichtig ist und wir hätten keinerlei Zahnreinigungseffekt.

Was also tun?

Ein Tipp rund ums Füttern ist, beide Futtervarianten – trocken und nass – zu nutzen, gerade auch im Hinblick auf ihre jeweiligen positiven Eigenschaften.

Wenn man einen Eßlöffel Nassnahrung unter die Trockennahrung mischt, wird die Mahlzeit für unseren Hundes zu einer ganz besonderen gemeinsamen Verabredung, die nicht nur sein Hunger-Gefühl befriedigt, sondern ihn auch glücklich macht. Das Trockenfutter erledigt seine Aufgabe im Hinblick auf Nährstoffversorgung,  Verdauung (Kautätigkeit) und Zahnreinigung. Die Nassnahrung spielt in punkto Nährstoffversorgung eine gleichwertige Rolle, denn sie hält eine kleine, Menge an hochwertigen  und unterschiedlichen Nährstoffen bereit und “ füttert” die Sinne unseres Begleiters.

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Dr. Benedetta Giannini, Tierärztin und Ernährungs-Expertin