Eine Theorie, die Menschen und Wölfe verbindet

Die Verbindung zwischen Mensch und Wolf beruht auf einer tausendjährigen Geschichte voller Zusammenarbeit, Zuneigung und Gewohnheiten. Diese uralte Beziehung weist aber heutzutage andere Merkmale auf und spielt sogar eine sehr wichtige Rolle im Evolutionsprozess des Menschen. Diese These wird von der Anthropologin Pat Shipman verfochten, eine pensionierte Dozentin der Pennsylvania State University und Autorin des Buchs The Invaders: How Humans and Their Dogs Drove Neanderthals to Extinction. Die Professorin stellt in diesem Buch die These auf, dass die Jagd mit dem Wolf or mit dem sogenannten “Wolf-Hund” das Aussterben der Neandertaler und die Durchsetzung des Homo Sapiens bzw. des modernen Menschen begünstigt hätte.

Die Jagd mit den Wölfen und das unvermeidbare Aussterben des Neandertalers

Die beliebteste Erklärung für das Aussterben der Neandertaler wurde auf vor 35.000 Jahren datiert: der Klimawandel. Aufgrund eines Widerspruchs ist Professor Shipman aber nicht von dieser These überzeugt, wie sie kürzlich in einem Interview mit National Geographic erklärte: „Es ist immer noch ein Rätsel, warum eine der beiden Arten überlebt hat, während die andere ausstarb. Im Grunde genommen waren sie sich so ähnlich: Beide erstellten Werkzeuge und beide waren soziale Wesen und geschickte Jäger. Besonders interessant ist die Frage auch deshalb, weil die ausgestorbene Gruppe diejenige war, die das Territorium und die Beutetiere am längsten kannte“.

Der Schlüssel zur Lösung dieser Ungewissheit liege genau in der Jagdmethode mit Tieren, die sowohl den Wölfen als auch den Hunden ähnlich waren. Dadurch habe der moderne Mensch seine körperlichen Defizite dank der Schaffung einer vollkommenen Harmonie mit dem Vierbeiner kompensiert. „Diese Tiere waren weder Hunde noch Wölfe. Sie bildeten eine eigene Gruppe […] Aufgrund ihrer Anatomie kann man davon ausgehen, dass sie die Geruchsspuren ihrer Beute sehr gut verfolgen konnten. Außerdem war ihr Körper besonders für das Rennen geeignet. Die Menschen hingegen konnten nicht sehr schnell rennen und hatten nicht einmal einen besonders guten Geruchssinn. Sie waren aber schon in der Lage, zu kooperieren, was natürlich sehr von Vorteil war, und sie waren mit Langstreckenwaffen – wie Pfeil und Bogen – ausgerüstet”. Aber wie wurde „zu zweit“ – Mensch und “Wolf-Hund” – gejagt? Professorin Shipman hat eine klare Theorie: „Die Wölfe verfolgten die Spuren des Beutetiers und rannten dann sehr schnell hinterher, bis die Beute in einer Falle gefangen wurde. In dem Moment waren die Jäger bereit, sie aus der Ferne zu töten. Einerseits begaben sich die Wölfe nicht in die tödliche Gefahr, große Tiere wie Mammuts zu jagen. Andererseits gelang es den Menschen auf diese Weise, mehrere Tiere in kürzerer Zeit und mit einem geringen Risiko zu jagen“.

Menschen, Wölfe und Hunde: Ein altes friedliches Zusammenleben. Gegen unbegründete Klischees

Dies ist eine faszinierende Theorie, die sich in die Leitidee von The Promise reiht, – dem von Gabriele Salvatores gedrehten und Almo Nature produzierten Kurzfilm. Dieses unbestimmte wolfsähnliche Wesen hätte demnach in der Frühzeit die Sicherheit des Menschen nicht bedroht, sondern hätte sogar mit seinen außergewöhnlichen und noch vorhandenen Eigenschaften als Raubtier dem Menschen sogar gedient. Ein weiterer Grund, dieses Tier besser kennenzulernen, um seine Existenz als unersetzliches Erbe der biologischen Vielfalt zu schützen.